Disziplinen-Mandala (Bildwissenschaft)

Selektive Zusammenfassung von: Jörg R. J. Schirra: Ein Disziplinen-Mandala für die Bildwissenschaft - Kleine Provokation zu einem Neuen Fach - In: IMAGE1, 15.01.2005

Definition "Bildwissenschaft"

Von ... Bildwissenschaft als einer Disziplin, die über die Grenzen von Kunstgeschichte oder Kunstwissenscahft hinausgeht und sich wissenschaftlich mit allen Aspekten des Umgehens mit Bildern und verwandten visuellen Repräsentations- und Zeichensystemen befaßt, wird erst seit etwa der Mitte der 1990'er Jahre gesprochen ... Zentrales Kriterium für in dem hier gemeinten Sinne "Neue" Disziplinen ist ihre Interdisziplinarität und die dadurch bedingte starke Methodenpluralität.

Gerade bei der Bildwissenschaft ist ein interdisziplinärer Ansatz notwendig, denn Bilder werden nicht nur auf rationaler Ebene wahrgenommen, sondern rufen "emotionale, körperliche Reaktionen" hervor, und damit greift "eine Semiologie, die glaubt, die BEdeutung von Zeichen zu kennen und gleichsam grammatikalisch erschließen zu können", zu kurz. "Von Gottfried Böhm stammt die vielleicht sehr pointierte, aber meines Erachtens treffende Feststellung: Wo die Semiotik aufhört, beginnt die Kunstgeschichte." (wikipedia: iconic turn

Wie der Ausdruck es nahe legt, befindet sich eine solche moderne ”Inter-Disziplin” in einem abstrakten Sinne ”zwischen den Fachgebieten”: Sie ist aus verschiedenen Disziplinen zusammengewachsen.

Bild-Typologie

Prinzipiell unterscheidet man zwischen (im engeren Sinn) darstellenden Bildern und Strukturbildern ... Als dritte große Klasse werden reflexiv gebrauchte Bilder mit gutem Grund gesondert betrachtet. Während zwischen darstellenden Bildern und Strukturbildern ein semantischer Unterschied besteht, scheidet eine Unterscheidung auf der Ebene der Pragmatik die reflexiv gebrauchten Bilder von den nicht-reflexiv (d. h. ”direkt”) gebrauchten ... Im Prinzip kann jedes darstellende Bild und jedes Strukturbild auch reflexiv gebraucht werden - dazu genügt es beispielsweise schon, das Bild in einem Artikel über Bilder als Beispiel zu zitieren.

Philosophische Bildtheorien

Kern philosophischer Bildtheorien ist das Bemühen, einen methodisch korrekt, rational begründbar eingeführten Bildbegriff zu formulieren. Im Gegensatz zu dem verbreiteten umgangssprachlichen Gebrauch, der bedauerlicherweise auch weit in die Wissenschaften hinein zu unklarer Ausdrucksweise führt, ist der Ausdruck ‚Begriff' nicht gleichbedeutend mit dem Ausdruck ‚Ausdruck'. Wenn jemand einen Begriff hat, kann er nicht nur einen Ausdruck aussprechen: Er kann dann vielmehr, so das moderne philosophische Verständnis, erklären, wie der Ausdruck richtig zu verwenden ist, was er bedeutet

d.h.: Begriff = Ausdruck + pragmatische Bedeutung/Bedeutungsmöglichkeiten

Warum Bilder Zeichen sind

Daß Bilder ganz allgemein Zeichen (in einem recht weiten Sinn) sind, erkennt man daran, dass man sich oder andere mit ihrer Hilfe aufmerksam macht auf etwas anderes (den Bildinhalt), was in der Regel nicht zugleich anwesend ist.
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