Schreibentwicklung

Vor der kommunikativen Wende wurde ein direkter Zusammenhang zwischen Entwicklungsstufen des Schülers und den Aufsatzarten postuliert. Dies ist inzwischen widerlegt:

Als einfachste Form galt die Erzählung. dann folgten Bericht, Beschreibung, Schilderung und schließlich, als schwierigste Form, die Erörterung. Dieser normative Stufenplan entspricht nicht den Ergebnissen der empirischen Schreibforschung. (Steinig/Huneke 22004:117)

Dennoch beruhen die Stufen der Schreibentwicklung auf einem kognitiven Entwicklungsprozess. So kommt Bereiter (1980) zu einem fünfstufigen Modell:

1 Assoziatives Schreiben (Beginn der Schreibentwicklung) 
Kinder schreiben, so lange ihnen etwas einfällt. Aufmerksamkeit liegt auf Schreibprozess selbst.
2 Performatives Schreiben (ca. 3. Klasse)
Orientierung an den Erwartungen der Lehrperson(en). Aufmerksamkeit liegt auf Produkt.
3 Kommunikatives Schreiben (Beginn Sekundarstufe I)
Orientierung an potenziellen Lesern. Aufmerksamkeit liegt auf Leser.
4 Selbstreflexives Schreiben ("unified writing") (Ende der Sek II)
Beurteilung des eigenen Schreibproduktes als Leser. Aufmerksamkeit liegt auf Produkt.
5 Heuristisches Schreiben (nur wenige Schreiber)
Durch Schreiben werden Erkenntnisse gewonnen. Aufmerksamkeit liegt auf Prozess.

Problematisch an diesem und anderen Modellen: In der Schule werden gemäß Lehrplan Schreibformen geübt, die sich ihrerseits stark auf die Schreibentwicklung der Schüler auswirken.

Würde man didaktisch konsequent ab Schulbeginn an dieser 'natürlichen' Adressatenorientierung anknüpfen, käme man höchstwahrscheinlich zu anderen Schreibergebnissen auf höhren Schulstufen. (Steinig/Huneke 22004:119)
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