Beschreibung der Stufung der Verstehensleistung (bezgl. Lesestrategien), die zu testen aufschlussreich ist. Aus dem Kapitel "Bereichsspezifik am Beispiel "Lesen und Verstehen von Texten'" in Willenberg, Heiner (2002): Eine bundesweite Vergleichsuntersuchung zum Leistungsstand in Deutsch. Was kann die Didaktik dazu beitragen und wird sie darunter leiden? In: Kammler, Clemens; Knapp, Werner (Hg.): Empirische Unterrichtsforschung und Deutschdidaktik. Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren. Diskussionsforum Deutsch, S. 215–231.
In der Forschung existiert seit langem die Einsicht, dass Lesen und Verstehen von Texten eine Stufung durchläuft. Wichtig ist es, die Stufung der Verstehensleistungen zu beschreiben und im Test operational umzusetzen. (220)
1. lexikalisch-semantische Oberfläche 2. Inferenzen 3. Einträge in mentale Modelle 4. Metakognitive Einsicht in das Arrangement des Textes bzw. seine argumentative Struktur Die
volle Lesefähigkeit [...] besteht [darin], alle notwendigen Zugangsweisen zu benutzen [...] In einem großen Übersichtsartikel über die Leseforschung im "Handbuch Lesen" haben Christmann und Groeben (1999) die gleiche Schlussfolgerung als Fazit ihrer Darstellung gezogen: Die Kontroversen der verschiedenen Lesetheorien lassen sich auflösen, wenn man den Lesern "die Fähigkeit zu einer flexiblen Textrezeption zuschreibt" (S. 162) und "diese Flexibilität angemessen zu modellieren, stellt das zentrale Bestreben der gegenwärtigen Textverarbeitungsforschung dar." (S. 169) (220)
Willenberg stellt die wichtigsten Teilbereichsfähigkeiten zusammen, für "mündliche Kommunikation", "Texte schreiben", "Lesen/Textverstehen". Hier die Liste für "Lesen/Textverstehen" Wissensbasis Vorwissen klären, Einbau der Textthemen ins eigene Wissen, Analogien zwischen beiden Wissensbereichen herstellen. -> Stabilisierung der Wissensbasis muss allen Leistungsüberprüfungen vorangehen, denn normalerweise redet oder schreibt man nur über Themen, die man kennt. Variantenauswahl Erste Bedeutungsübersetzungen, Bildung von Inferenzen -> Auswahl von syntaktischen und semantisch-lexikalischen Varianten ist ein Kennzeichen fortschreitender Sicherheit im Umgang mit sprachlichen Mitteln. Reflexive Kategorien Leseweisen werden bewusst eingesetzt, besonders dort, wo Texte komplexer und vielfältiger werden. Registerbreite Fundierter Umgang mit dem Wortschatz, der Begrifflichkeit, den Fachwörtern. Kontrolle durch Wörterbücher. Automatisierung Textsorten und Argumentationsformen werden erkannt. Das bewusste Arrangement der Texte durch die Autoren wird erfasst. (222-223)
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