Mentale Repräsentationen (Kintsch 1998)

Kintschs "Comprehension" (1998) gilt als Standardwerk, wenn es um die Frage nach mentalen Repräsentationsformen von Inhalten, Entitäten und Verständnis geht. Besonders beim Thema "Kohärenzbildung" wird er regelmäßig zitiert.

Zusammenfassung der verschiedenen Ebenen mentaler Repräsentation (Grundlagen der Theorie).

Mentale Repräsentationen liegen in verschiedenen Abstraktionsgraden vor. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer "Entfernung" und ihrer Unabhängigkeit von der realen Welt:

1 Basalste Form: "procedural and perceptual representations that are tied directly to the environment"
= direkte Abbildung von Vorgängen und Sinneseindrücken; z.b. Lernen einen Schuh zu binden ("tightly coupled to the environment"). "This capacity is shared by all animals".
2 "episodic memory representations"
Ereignisse werden "analysiert"; die "Erinnerung" daran erlaubt es, neue/ähnliche Ereignisse/Situationen zu antizipieren: "Event memory is shared with higher animals ... Learning occurs through experience and is incidental, unintentional, and goal-directed"
3 "intentional but non-verbal representations, including forms of imaginery"
z.B. Körpersprache - "These representations are sensorimotor in character"
4 "verbal narrative level"
Verbal, aber nicht abstrakt. Linear, regelorientiert: "Much of what we know and what we learn is in the form of stories - for example, our cultural and historical knowledge."
5 "verbal abstract level"
werden benötigt für "Kategorien, logisches Denken, formales Argumentieren, Deduktion, Messung. Dazu gehören abstrakte Symbole wie Sprache, Karten, Kalender, Uhren "and other forms of external memory storage".
Diese Hierarchie beschreibt nur die Entfernung von der Umwelt - NICHT den Komplexitätsgrad. Wenn eine neue Ebene erreicht wird, werden die darunterliegenden Repräsentationsformen in diese neue Ebene integriert. Mit zunehmender Ebene ändert sich die Art der Repräsentation wie folgt:

  1. "the degree of environmental control weakens; stories and mathematical theories liberate man from the web of environmental dependencies"
  2. sensomotorisch/analog -> symbolisch/arbiträr
  3. "the degree of consciousness increases", ebenso die "intentionalität": informationsaufnahme/-integration auf den höheren ebenen erfordert mehr willentlichen akt (während auf unterster ebene alles meist unbewusst abläuft -> hund der sein herrchen wiedererkennt)

 


Kintsch hat dieses Modell in großen Teilen aus bisherigen Erkenntnissen zusammengeführt, wobei er "different terminology" und unterschiedliiche Schwerpunkte nivelliert hat. Auf S. 19-29 Zusammenfassung der zugrundeliegenden Modelle aus Behaviorismus, Tierversuch, Kognitionspsychologie und Neurowissenschaften.

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