Gefälliges Schreiben für das Web

In der Lesekompetenzforschung werden bestimmte Merkmale erwähnt, die einen Text leichter zu verarbeiten machen (z.B. kohärente Inhaltsorganisation, Abfolge der Textinformationen, Vorwissensaktivierung). Daraus abgeleitet einige Regeln, wie ein Text geschrieben werden muss, damit er möglichst leicht zu verarbeiten ist (-> Grundproblem bei Texten im WWW). Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Text auch leichter zu verstehen ist (vielleicht führt an einigen Punkten Verständisschwierigkeit zu vertiefter Elaboration und damit zu besserer Behaltensleistung).

Regeln für effizient geschriebene Texte, "Schreiben für das Web":

  1. Kohärente Inhaltsorganisation
    • kausale Verknüpfungen sind verarbeitungswirksam (weil, deshalb, daher), allerdings nur, wenn die kausalen Bezüge zwischen den Texten nicht sowieso schon transparent oder einfach zu erschließen sind.
    • Signale, mit denen Stellung und Funktion eines Themas im Gesamttext verdeutlicht wird = Explizitmachen von "Ursache-Wirkung", "Problem-Lösung", "Frage-Antwort" usw.
    • Text soll möglichst konsistent sein, d.h. sich sukzessive voranbewegen (keine Gedankensprünge, abrupte Wechsel vom Abstrakten ins Konkrete)
    • Typographische Markierungen (Absätze, Überschriften, Schriftgrößen etc.) werden genutzt, um globale Textstruktur transparenter zu machen und Afumerksamkeit auf wichtige Gedanken zu lenken (Aber: "Ein verarbeitungsfördernder Effekt solcher Gestaltungsmittel konnte jedoch nur selten nachgewiesen werden, da ihre Wirksamkeit vermutlich mit Lesermerkmalen wie z.B. Lesegewohnheiten interagiert" ,Expertise S.25, dagegen aber Nielsen: Writing for the Web)
    • Bilder/Diagramme einbauen, die "die Relationen zwischen den im Text enthaltenen Objekten, Ereignissen, Sachverhalten etc. verdeutlichen" (Expertise S.26) - so erhöht sich die Behaltensleistung auch für die nichtillustrierten Textteile. -> Ein Text, der durch Bilder illustriert wird, wird besser behalten (sofern die Bilder den besagten Anforderungen genügen: "Bilder sind dann besonders effektiv, wenn sie Textinformationen ergänzen und die Textinterpretation steuern, die Beziehung zwischen den im Text angesprochenen Sachverhalten verdeutlichen ..." Expertise 26). Die Vorteile der Visualisierung bestehen vor allem dann wenn Leser geringe Vorkenntnisse haben (!). Außerdem sind schlechtere Leser generell stärker auf Bildunterstützung angewiesen (gilt nicht für "logische Bilder")
  2. Sequenzielles Arrangieren (=Abfolge der Textinformationen)
    • hierarchisch-sequenzieller Textaufbau, in dem "ein Sachverhalt zunächst auf einem hoihen Abstraktionsniveau beschrieben wird, bevor schrittweise auf detailliertere Darstellungsebenen übergegangen wird." (Expertise 27) gilt als besonders "behaltensfreundlich"; außerdem scheint sich ein solcher Textaufbau positiv auf die Identifikation zentraler Textgedanken auszuwirken.
  3. Vorwissensaktivierung
    • "Advance Organizer" = kurze vorangestellte Einführungen, "die die relevanten Textkonzepte in inklusiverer Form benennen, als dies im Text selbst der Fall ist." (Expertise, 28) - Funktion: Ankerideen für die nachfolgenden Textinformationen bereitstellen, Vorstrukturierung (sollen gemäß der thematischen Struktur des Textes aufgebaut sein)

Immer muss aber berücksichtigt werden, dass lernerseitige Merkmale den Verstehensprozess determinieren (Vorwissen, Erwartungen, Leseabsicht, kognitive Fähigkeiten usw.)

 

Literatur: Artelt, C., McElvany, N.,  Christmann, N., Richter, T. Groeben, N.,  Köster, J., Schneider, W., Stanat, P., Ostermeier, C , Schiefele, U. Valtin, R. & Ring, K. (2005). Förderung von Lesekompetenz – Ein Expertise. Bonn, Berlin: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). [www.bmbf.de/pub/bildungsreform_band_siebzehn.pdf]

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