Ursachen sind nicht eindeutig benennbar
Das Störungsbild LRS/Legasthenie ist sehr komplex und multifaktoriell induziert; Ursachen(bündel) sind deshalb nicht klar zu benennen (bzw. wenn benannt, dann nicht zwangsläufig erklärungsstark). Es wurden aber Korrelate aus verschiedenen Bereichen gefunden - d.h. Hinweise darauf, dass gewisse Dispositionen (genetische, neurobiologische, kognitive) gehäuft bei LRS-Patienten auftreten. Dennoch ist eindeutige Ursachenzuweisung nach dem Stand der Forschung heute nicht möglich (auch wenn häufig einzelne Ursachen(-bündel) explizit benannt werden). In der Medizin stehen besonders die Gebiete der Genetik und der Neurobiologie im Fokus des Interesses, einen Randbereich bildet die Untersuchung der taktilen Wahrnehmung.
Einflussfaktoren
Da die Ursachenforschung im medizinischen Bereich bisher kaum befriedigenden Ergebnisse erzielen konnte, wird der medizinische Ansatz um eine pädagogisch-ökologische Dimension erweitert, so z.B. im interaktiven Modell von Klipcera et al. 2003), denn:
Trotz der Unterschiedlichkeit der Ursachen von Lernproblemen lassen sich drei entscheidende Bestimmungsfaktoren identifizieren: soziale Herkunft, Geschlecht und Migrationshintergrund [...] Insbesondere die PISA-Studie belegt recht klar die soziale und kulturelle Dimension von Lernbeeinträchtigungen. (Deneke 2007:4)
(PISA: Gilt dieser Zusammenhang auch für andere Länder?!)
Ähnlich Hanert-Möller (2007), die einen "medizinischen Ansatz" und einen "pädagogischen Ansatz" unterscheidet; der medizinische Ansatz ist "geprägt von der Ursachenforschung" (Hanert-Möller 2007:7), während der pädagogische Ansatz eher die "kindliche Entwicklung auf dem Weg zur Schriftsprache" (Hanert-Möller 2007:26) im Auge hat. Nach Hanert-Möller (2007:42) vereinen sich beide Ansätze jedoch wieder in ihren "lerntheoretischen" Förderansätzen.
Exkurs: LRS als Teilleistungsschwäche
Deshalb wird häufig von "Teilleistungsschwäche" gesprochen, da der Verwendung von Schriftsprache ein hoch komplexes funktionelles System zugrunde liegt, für dessen Funktionieren viele Teilleistungen benötigt werden; nur das Zusammenspiel dieser Teilleistungen ermöglicht es, die Gesamtleistung zu erbringen. Der Begriff "Teilleistungsschwäche" wird bisweilen als unpräzise oder diskriminierend kritisiert; statt dessen werden Begriffen wie "abweichende Wahrnehmung" o.ä. favorisiert.