Wie muss fördender Unterricht gestaltet werden?

 

nach: Torgesen 2008:28f

Problematisch für die Umsetzung entsprechender Konzepte:

  1. Werden lesegestörte (diskrepante!) Kinder getrennt in kleinen Gruppen unterrichtet, führt das zu (gefühlter) Stigmatisierung und behindert in der Praxis eine normale Entwicklung der intellektuellen Fähigkeiten.
  2. Alternativ hierzu steht ein integrativer Ansatz, in der lernschwache Kinder im normalen schulischen Kontext  verstärkt gefördert werden. Problem: Durchschnittlich ausgebildete Lehrer können das nicht leisten, auch fehlt ihnen schlicht die Zeit. Deshalb werden erforderliche Maßnahmen, die sich auf ein oder wenige Kinder beziehen, in der Regel nicht durchgeführt.

Für Kinder mit Lesestörung heißt das in vielen Fällen: Geh auf die staatliche Förderschule (und lerne auf dem Niveau nicht diskrepanter Kinder) oder bleib auf der Regelschule - dann aber ohne Förderung.

Der aktuelle Zeitgeist propagiert, alle lernschwachen Kidner in den normalen Schulunterricht zu integrieren. Kinder mit Lernstörungen benötigen jedoch im Vergleich zu ihren Altersgenossen einen expliziteren und intensiveren Unterricht mit mehr Unterstützung, und es ist sehr schwierig, diesen Bedürfnissen im normalen schulischen Umfeld gerecht zu werden. Gerade im Falle des Lesens bedeutet ein expliziterer Unterricht für die Lehrer nicht nur, dass sie mehr Zeit investieren müssen, sondern auch, dass sie bessere Kenntnisse über Sprach- und Leseprozesse benötigen, als sie derzeit besitzen ... (Torgesen 2008:31)

Entsprechend äußert sich die DGLS (Deutsche Gesellschaft für Lesen und Schreiben) in den 10 Rechten der Kinder auf Lesen und Schreiben, Recht 7:

Kinder mit Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben
haben das Recht auf zusätzlichen,
fördernden Unterricht
durch besonders qualifizierte Lehrkräfte. (Hofmann/Sasse 2006:8)
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