Welche Teilleistungen können unterschieden werden?
Wenn Teilleistungsfähigkeiten nur unzureichend funktionieren, kann sich eine Lern- oder Verhaltensstörung ergeben. Dabei sind Teilleistungen nicht einzeln als solche erkennbar (z.B. beim Lesen) - die Teilleistungen spielen zusammen, was die Gesamtfertigkeit ausmacht. Besteht bezüglich einer Teilleistung eine Schwäche, funktioniert auch die Gesamtleistung nicht mehr.
Wir unterscheiden folgende Teilleistungen, die isoliert abgefragt/geprüft werden können (z.B. Geiger 2007); je nach Förderprogramm können die Aufgaben u.U. auf auffällige Bereiche beschränkt werden (z.B. primär auf Hören, Sehen ...). Aufgabenbeispiele aus der empfehlenswerten Materialsammlung Geiger 2007 ("Überprüfungsverfahren Teilleistungsstörungen").
1 Fokussierung der Aufmerksamkeit
Kind muss aus den vorhandenen Sinnesreizen die wesentlichen herausfiltern können (z.B. Stimme der Lehrerin im Unterrichtsgang).
Beispiele:
- akustisch - Kann ein Kind eine Silbe (Wort) innerhalb eines vorgesprochenen Wortes (Textesausgliedern? ("Hörst du im Wort ein "be"?")
- optisch - bestimmtes Zeichen (*) aus einer Menge geometrischer Figuren oder Zeichen ({\+#) herausfinden
2 optische/akustische Differenzierung
Dinge, die sich ähnlich sind, müssen unterschieden werden können (p - q, d -b). Komplexe Eindrücke müssen segmentiert werden können (z.B. Wörter, Lautfolgen, Bilder --> vgl. phonologische Bewusstheit).
Beispiele:
- optisch - Bildpaare beurteilen: Sind die beiden Bilder gleich? Wo versteckt sich eine Figur in einer großen Figur?
- akustisch - Sind die Wörter gleich oder unterschiedlich (vorsprechen: toll - toll; Stift - Lift), auch: Sinnloswörter
3 intermodale Kodierung
Verschiedene Sinnesbereiche müssen miteinander verbunden werden können (z.B. Bild und genanntes Wort); wichtig für das Lernen von Buchstaben und ihrem Klang ("Lautierung")!
Beispiele:
- optisch-akustisch: mündlich eine Situation darstellen, auf Kärtchen (=optisch) nachvollziehen
4 Kurz- und Langzeitspeicherung (optisch, akustisch, intermodal)
Übertrag von Sinnesreizen aus dem Arbeits- ins Langzeitgedächtnis.
Beispiele:
- optisch-Speichern von Bildern: 8 Kärtchen mit Bildern hinlegen, umdrehen, Kind muss mit 8 weiteren Kärtchen Reihenfolge nachvollziehen
- akustisch-Speichern von Wortfolgen: eine Reihe von vier Wörtern vorsagen, Kind muss wiederholen
5 Serialität (und darauf aufbauend: Antizipationsfähigkeit)
Reihenfolgen erkennen, einhalten und daraus Erwartungen generieren (z.B. Abfolge der Buchstaben im Wort, Reihenfolge der Wörter im Satz).
Beispiele:
- (in Verbindung mit intermodaler Gedächtnisleistung): Reihenfolge von (vier) Wörtern nennen, Bildkarten danach in dieser Reihenfolge legen
6 Körperschema (Motorik) und Raumorientierung
Wahrnehmung des eigenen Körpers, Orientierung im Raum, Erfassen räumlicher (und zeitlicher) Beziehungen zwischen den Dingen.
Beispiele:
- Sprechmotorik: schwierige Wörter vorsagen, Kind spricht nach ("Polarisation")
- Motorische Geschicklichkeit der Hand: Labyrinth - mit Stift nachfahren, ohne an Umrandungen zu stoßen
- Bewegungsabläufe: Gesten mit den Händen nachmachen
Kann geklärt werden, welche Teilleistung(en) gefördert werden muss/müssen, können entsprechende Aufgaben genutzt werden (z.B. "Förderung des Heraushörens", "Erfassen und behalten von Reihenfolgen" usw.)