Bremerich-Vos: "Empirisches Arbeiten in der Deutschdidaktik"

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Überblick über Bremerich-Vos, Albert (2002): Empirisches Arbeiten in der Deutschdidaktik. In: Kammler, Clemens; Knapp, Werner (Hg.): Empirische Unterrichtsforschung und Deutschdidaktik. Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren. Diskussionsforum Deutsch, S. 16–29.

Didaktik vs. Psychologie in der Forschung

Bremerich-Vos weist darauf hin, dass auch die Didaktiker von psychologisch orientierter Unterrichtsforschung lernen müssen. Gleichzeitig suggeriert er jedoch, dass psychologische Lehr-Lernforschung stets einen Mangel aufweist: fachspezifische, fachdidaktische Aspekte werden nicht berücksichtigt. Zwischen den Zeilen schiebt er die Schuld den psychologischen ForscherInnen zu.

Wir könten aber auch in der Rolle von Gebenden auftreten. Ist es nicht vielleicht so, dass die psychologisch orientierten Unterrichtsforscher nur deshalb vergleichsweise geringe Wirkungen von unterrichtsqualität konstatieren, weil sie die Spezifik des fachlichen Lernens nicht hinreichend bedenken? Dieser Zweifel kommt ihnen ab und an selbst. [...] Die Instrumente zur Bestimmung von unterrichtsqualität sind im Hinblich auf fachdidaktische Aspekte durchgängig unspezifisch. So wird z.B. nur erhoben, ob eine Lehrperson bei Einzel- und Gruppenarbeit unterstützend wirkt; wie die Unterstützung "von der Sache her" zu bewerten ist, bleibt unbedacht. Auch die
inhaltliche Qualität von Strukturierungshinweisen spielt keine Rolle, ebenso wenig die Frage, ob es nicht weniger auf die Variabilität von Unterrichtsformen im Allgemeinen als darauf ankommt, dass der Wechsel der Formen vom jeweiligen Unterrichtskontext her fachlich angezeigt ist. Die Liste der fachdidaktisch motivierten Einwände ließe sich ohne Mühe verlängern. Insofern wäre Kooperation dringend geboten. Manche PsychologInnen melden - durchaus selbstkritisch - auch entsprechenden Bedarf an [...]. Die Barrieren sind aber hoch, trotz des gegenwärtig allerorten gesungenen Loblieds auf die Interdisziplinarität. (21)

Qualitative vs. quantitative Forschungsmethodik

Plädoyer für integratives Arbeiten (21f)

Fragen

Verschiedene selbstkritische Fragen, z.B.

- Es wurde angedeutet, dass das "Prozess-Produkt-Paradigma" in der Unterrichtsforschung von Seiten psychologisch orientierter Lehr-, Lernforscher derzeit massiv kritisiert wird. Haben wir als DeutschdidaktikerInnen ein solches Paradigma aber überhaupt ausgebildet? Verfügen wir über Studien, in denen Zusammenhänge zwischen "Unterrichtsqualität" und "Leistungen" im Fach Deutsch nicht nur postuliert, sondern - wie auch immer - empirisch aufgezeigt worden wären? - Gibt es - bezogen auf das Fach deutsch, überhaupt eine [differenzierte] "Operationalisierung" des "Konstrukts" Leistung [...]?(23)

Vorschläge

Wir sollten - so Bremerich-Vos - die Empirisierung der (Literatur-)Didaktik verstärken, z.B. 1. Trainings- bzw. INterventionsstudien

Dabei ist allerdings vorausgesetzt, dass wir uns stärker als bislang um eine "Operationalisierung" von Begriffen wie "Formbewusstsein", "Fähigkeit zu historischem Verstehen" usw. bemühen müssten. (26)

2. Studien über unterrichtsbezogene subjektive Theorien von Deutschlehrerinnen. 3. fachdidaktische Handlungsforschung (Lehrer erforschen ihren eigenen Unterricht in Zusammenarbeit mit Fachdidaktikerin) (25-27)

Fazit

Deutschdidaktik sollte mehr empirisch arbeiten.

Dabei sind wir insbesondere im Hinblick auf die eher quantitativen Verfahren in der großen Mehrheit wohl gleichsam in einer Münchhausen-Situation. Ob wir uns hier allein auf unseren eigenen Schopf verlassen können, wage ich zu bezweifeln. Deshalb sollten wir uns, wo immer das möglich ist, in diesem Feld um einen Import möglichst kompetenter Lehre bemühen, von der nicht nur die Studierenden, sondern auch wir selbst profizieren könnten. (27)
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